US-Banken sind die wahren Verlierer, wenn der CLARITY Act scheitert, behauptet „Crypto Dad”

Der ehemalige Vorsitzende der Commodity Futures Trading Commission, J. Christopher Giancarlo – in Krypto-Kreisen weithin als „Crypto Dad” bekannt – machte diese Woche deutlich, dass amerikanische Banken durch die Untätigkeit des Gesetzgebers mehr zu verlieren haben als die Krypto-Branche.
Wichtige Erkenntnisse
- Der ehemalige CFTC-Vorsitzende Giancarlo warnt, dass US-Banken ernsthafte Nachteile haben werden, wenn das CLARITY-Gesetz blockiert wird
- Banken und Krypto-Unternehmen sind sich uneinig über die Rendite von Stablecoins – der größte Knackpunkt des Gesetzesentwurfs
- Trump hat sich auf die Seite der Krypto-Branche gestellt und wirft den Banken vor, Verbraucherprämien zu blockieren
- Analysten erwarten, dass die Verabschiedung des Gesetzes bis Mitte 2026 eine deutliche Marktrallye auslösen könnte
In dem Podcast „The Wolf of All Streets” mit Moderator Scott Melker äußerte sich Giancarlo deutlich: Der Kryptosektor werde sich mit oder ohne Hilfe aus Washington weiterentwickeln. Das größere Problem sei, dass Institutionen wie die Bank of America praktisch gelähmt seien und ohne einen definierten Regulierungsrahmen nicht vorankommen könnten.
„Sie können sich regulatorische Unsicherheit nicht leisten”, sagte Giancarlo und warnte, dass US-Banken ohne den CLARITY Act Gefahr laufen, hinter internationale Konkurrenten zurückzufallen, die bereits aggressiv in den Bereich der digitalen Zahlungen vordringen.
Der Knackpunkt: Wer bekommt die Zinsen?
Der CLARITY Act – ein Gesetzentwurf zur Marktstruktur, der den langjährigen Kompetenzstreit zwischen der SEC und der CFTC beilegen soll – würde die CFTC offiziell als primäre Regulierungsbehörde für Spot-Kryptomärkte benennen.
Dieser Teil ist nicht besonders umstritten. Was den Stillstand verursacht, sind Stablecoins.
Konkret geht es darum, ob Krypto-Unternehmen Zinsen – also effektiv Zinsen – auf Stablecoin-Bestände zahlen dürfen. Die Banken sagen Nein. Ihr Argument: Wenn Kunden Renditen auf digitale Dollar-Äquivalente erzielen können, wird Geld in großem Umfang aus traditionellen Einlagenkonten abgezogen. Sie bezeichnen dies als Risiko einer „Einlagenflucht” und haben sich so vehement dagegen gewehrt, dass sie Anfang März 2026 einen Kompromiss des Weißen Hauses zu Fall gebracht haben.
Präsident Trump seinerseits hat kein Verständnis für die Position der Banken gezeigt. Berichten zufolge hat er sich auf die Seite der Kryptoindustrie gestellt und den Widerstand des Bankensektors als Versuch bezeichnet, den Wettbewerb zu unterdrücken und den Verbrauchern den Zugang zu Renditen auf ihr eigenes Geld zu verweigern.
Regulierung aus einer vergangenen Ära
Giancarlo geht in seiner Kritik über die aktuelle Pattsituation hinaus. Er argumentiert, dass die Regulierungsbehörden immer wieder den Fehler machen, neue Technologien an bestehende Regeln anzupassen, anstatt Rahmenbedingungen zu schaffen, die der tatsächlichen Funktionsweise von Innovationen entsprechen. Ein prinzipienbasierter Ansatz sei das einzige Modell, das für eine sich so schnell entwickelnde Branche Sinn mache.
Seiner Ansicht nach spielt auch die generationsbezogene Dimension eine Rolle. Jüngere Marktteilnehmer wenden sich nicht aus Neugierde der Kryptowährung zu – sie wenden sich von den Finanzinstituten der Nachkriegszeit ab, die nicht für sie geschaffen wurden. Diese Dynamik, so Giancarlo, werde sich nicht umkehren, unabhängig davon, was der Kongress beschließt oder nicht beschließt.
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Der Markt beobachtet
Es geht um keine abstrakten Werte. Der gesamte Kryptomarkt hat im März 2026 einen Wert von rund 2,34 Billionen US-Dollar. Bitcoin hat sich trotz der Spannungen im Nahen Osten und der anhaltenden rechtlichen Unsicherheit in Washington im Bereich von 68.000 bis 70.000 US-Dollar gehalten.
Unterdessen warten mehr als 100 Krypto-gebundene ETFs in den Startlöchern, deren Einführung noch vor Jahresende geplant ist – was jedoch weitgehend davon abhängt, dass die Regulierungsbehörden ihre Hausaufgaben machen.
Analysten von JPMorgan haben die mögliche Verabschiedung eines Gesetzes bis Mitte 2026 als bedeutenden positiven Katalysator bezeichnet, der eine Marktrallye in der zweiten Jahreshälfte auslösen könnte. Gemini hat vorausgesagt, dass der CLARITY Act letztendlich noch in diesem Jahr verabschiedet wird und damit eine Ära beendet, die Kritiker als „Regulierung durch Durchsetzung” bezeichnet haben. Grayscale sieht das Jahr 2026 allgemein als den Beginn einer institutionellen Ära – einen Moment, in dem Kryptowährungen zu einer eigenständigen Anlageklasse heranreifen und nicht mehr mit risikoreichen Technologieinvestitionen in einen Topf geworfen werden.
Ob der Kongress schnell genug handelt, um diese Vision zu verwirklichen, ist eine andere Frage.
Derzeit befindet sich die Branche im Aufbau. Die Banken warten ab. Und genau diese Kluft zwischen beiden Seiten könnte das Problem sein, vor dem Giancarlo warnt.
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