Standard Chartered erweitert Krypto-Offensive mit institutionellem Prime Brokerage

Standard Chartered drängt stärker in den Bereich der digitalen Vermögenswerte vor, indem es einen Krypto-Prime-Brokerage-Dienst für Hedgefonds und Vermögensverwalter aufbaut. Dies zeigt, wie schnell sich traditionelle Banken neu positionieren, da die institutionelle Nachfrage nach Kryptowährungen zunimmt.
Der neue Geschäftsbereich wird nicht im Kerngeschäft der Bank angesiedelt sein, sondern bei SC Ventures, der Innovations- und Venture-Einheit der Bank.
Wichtige Erkenntnisse:
- Standard Chartered startet einen Krypto-Prime-Brokerage-Dienst für institutionelle Kunden.
- Das Geschäft wird unter SC Ventures geführt und nicht in der Hauptbilanz der Bank.
- Dieser Schritt spiegelt die steigende Nachfrage institutioneller Kunden nach Krypto-Infrastruktur wider.
Diese Struktur ist wichtig. Durch die Unterstellung der Initiative unter SC Ventures kann Standard Chartered seine Präsenz im Kryptobereich ausbauen und gleichzeitig das Risiko von strengen Kapitalvorschriften begrenzen, denen Banken, die digitale Vermögenswerte direkt halten, nach wie vor unterliegen.
Warum SC Ventures die Hauptlast trägt
Oberflächlich betrachtet scheint dieser Schritt eine natürliche Erweiterung der bestehenden Krypto-Aktivitäten der Bank zu sein. Standard Chartered unterstützt bereits institutionelle Infrastrukturen wie Zodia Custody und Zodia Markets und hat sich im vergangenen Jahr als erste global systemrelevante Bank positioniert, die institutionellen Kunden den Spot-Handel mit Kryptowährungen anbietet.
Aber der regulatorische Aspekt ist ebenso wichtig. Nach den 2022 finalisierten Basel-III-Regeln werden „genehmigungsfreie“ Krypto-Assets wie Bitcoin und Ether mit einem Risikogewicht von 1.250 % bewertet, wenn sie in der Bilanz einer Bank gehalten werden – was eine groß angelegte Beteiligung praktisch unwirtschaftlich macht. Im Gegensatz dazu unterliegen risikobehaftete Engagements im Venture-Stil weitaus geringeren Kapitalanforderungen. Der Betrieb des Prime Brokerage über SC Ventures bietet eine praktische Lösung, während die Regulierungsbehörden weiterhin darüber diskutieren, wie Banken mit Krypto-Risiken umgehen sollten.
Hinweise auf diese Strategie tauchten letzten Monat auf, als SC Ventures auf LinkedIn eine gemeinsame Initiative namens Project37C ankündigte und diese als eine leichtgewichtige Markt- und Finanzierungsplattform beschrieb, die Verwahrung, Tokenisierung und Zugang zu digitalen Märkten umfasst. Obwohl der Begriff „Prime Brokerage” in dem Beitrag vermieden wurde, war die Richtung klar.
Banken wetteifern um den Aufbau institutioneller Krypto-Infrastrukturen
Standard Chartered ist bei weitem nicht allein. In den USA untersucht JPMorgan Berichten zufolge den Kryptohandel für institutionelle Kunden, während Morgan Stanley die Einführung von börsengehandelten Fonds für Bitcoin, Ether und Solana beantragt hat – und damit in direkten Wettbewerb zu BlackRock und ARK tritt.
Dieser Wettlauf spiegelt wider, wohin das Geld fließt. US-amerikanische Spot-Krypto-ETFs verwalten heute, nur zwei Jahre nach ihrer Zulassung, ein Vermögen von rund 140 Milliarden US-Dollar. Da Hedgefonds und Vermögensverwalter ihr Engagement erhöhen, verlagert sich die Nachfrage von einfachem Handelszugang hin zu Full-Service-Plattformen, die Ausführung, Finanzierung und Verwahrung kombinieren – die traditionelle Domäne der Prime Broker.
Die Welle von Transaktionen unterstreicht diesen Punkt. Ripple gab Anfang des Jahres 1,25 Milliarden US-Dollar für die Übernahme von Hidden Road aus, während FalconX Pläne zur Übernahme von 21Shares, einem der größten Krypto-ETF-Emittenten, bekannt gab.
Die Marktbedingungen erhöhen die Dringlichkeit
Der Zeitpunkt der Entscheidung von Standard Chartered fällt auch mit einer Stabilisierung des Kryptomarktes zusammen. Bitcoin hat das Jahr 2026 mit einem Kurs von knapp über 92.000 US-Dollar begonnen, nachdem es kurzzeitig auf 90.000 US-Dollar gefallen war, und liegt damit nur etwa 2 % unter dem Vorjahreswert.
Laut Brian Vieten von Siebert Financial folgte die jüngste Konsolidierung auf Steuerverlustverkäufe und Befürchtungen, dass MSCI Unternehmen, die digitale Vermögenswerte verwalten, aus den wichtigsten Indizes ausschließen könnte. MSCI hat seitdem seine Haltung gemildert und festgestellt, dass solche Treasury-Unternehmen eher wie Fonds agieren – wodurch eine Unsicherheit für institutionelle Anleger beseitigt wurde.
Zusammengenommen erklären diese Veränderungen, warum die Banken jetzt handeln. Krypto-Prime-Brokerage ist kein Randphänomen mehr, sondern entwickelt sich zu einer zentralen Finanzinfrastruktur. Mit SC Ventures als Startrampe positioniert sich Standard Chartered für den Wettbewerb in diesem Markt, ohne darauf zu warten, dass die Regulierungsbehörden die Neufassung der Vorschriften abschließen.
Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine Finanz-, Anlage- oder Handelsberatung dar. Coindoo.com unterstützt oder empfiehlt keine bestimmten Anlagestrategien oder Kryptowährungen. Führen Sie immer Ihre eigenen Recherchen durch und konsultieren Sie einen zugelassenen Finanzberater, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.











